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Interview Lam Chun Fai
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Im Juni 2004 besuchte Meister Lam Chun Fai seinen Schüler Andreas Garski in Karlsruhe und gab dort einige Seminare. Wir nutzten diese Gelegenheit und führten ein Interview mit diesem außergewöhnlichen Kung-Fu Meister.
WebMag: Meister Lam, herzlich willkommen in Deutschland.
Meister Lam: Danke schön, es ist schön, wieder hier bei meinen deutschen Schülern zu sein.
WebMag: Sie sind in Europa fast 2 Monate unterwegs und besuchen auch ihre Schüler in Italien, Holland, Tschechien. Ist das nicht sehr anstrengend für Sie?
Meister Lam: Das nehme ich gerne in Kauf. Ich möchte meinen Schülern eine gute Ausbildung garantieren und ihnen meinen Familien-Stil näher bringen.
WebMag: Sie kommen aus einer der bekanntesten Hung Gar Familien. Selbst ihr Vater ist mit über 90 Jahren noch aktiv und eine Koryphäe des Hung Gar. Was unterscheidet ihren Stil von den anderen?
Meister Lam: Was die Techniken angeht, unterscheidet unser Stil in Nuancen von den anderen Familien. Unser Stil hat einige Partnerformen, die in anderen Hung Gar Stilen nicht vorkommen, wie Speer gegen Schmetterlingsmesser, die mein Vater (Lam Jo) entwickelt hat.
WebMag: Das klingt sehr bescheiden für einen der bekanntesten Hung Gar Meister der Welt.
Meister Lam: Bescheidenheit gehört zur Kampfkunst.
WebMag: Sie haben ein neues Buch und eine neue DVD herausgebracht. Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.
Meister Lam: Das neue Buch beinhaltet die Tiger-Kranich Form meiner Familie. Wir haben ein ganzes Jahr daran gearbeitet und sehr viele Fotos geschossen und mein Schüler Massimo Innaccone hat es schließlich produziert. Es ist das erste Buch nach fast 70 Jahren, dass meine Familie herausgebracht hat. Darauf bin ich natürlich auch ein bisschen Stolz. Die DVD enthält Filmaufnahmen aus den 60er Jahren, wo ich mit meinem verstorbenen Bruder die Säbel gegen Speer Partnerform zeige. Außerdem sind Hung Gar Techniken unserer Familien zu sehen, sowie die Partnerform Stock gegen Stock. Die Aufnahmen sind in dieser Form noch nie von uns veröffentlicht worden.
WebMag: Meister Lam, wir sind natürlich neugierig zu erfahren, wie die Ausbildung bei ihrem Vater war. Können Sie uns einen Einblick geben.
Meister Lam: Ich habe mit fünf Jahren angefangen bei meinem Vater zu trainieren. Mit fortschreitendem Alter habe ich dann 3-mal täglich unter seiner Aufsicht trainiert. Es ist ein sehr guter, aber auch sehr strenger Trainer zu mir. Jede kleinste Technik musste ich wochenlang wiederholen, bis er damit zufrieden war.
WebMag: Kann man es mit dem Training heute vergleichen?
Meister Lam: Nein, vergleichen kann man es sicherlich nicht. Es war eben eine andere Zeit und andere Voraussetzungen.
WebMag: Wieso ist das Hung Gar eines der populärsten Kung-Fu Stile heute?
Master Lam: Sicherlich liegt es an Wong Fei Hung, über den sehr viele Filme gedreht worden sind und sicherlich noch werden. Zum anderen bietet das Hung Gar für jeden Kung-Fu Treibenden eine breite Palette an Techniken und Waffenformen. Auch der gesundheitliche Aspekt spielt sicherlich eine große Rolle.
WebMag: Wenn Sie jemand um einen Ratschlag bittet, wie er trainieren soll, was würden Sie sagen?
Master Lam: (Lacht) Jedenfalls hart, beharrlich und mit verstand!
WebMag: Wir bedanken uns für das anregende Interview und wünschen Ihnen noch einen guten Aufenthalt in Europa.
Master Lam: Ich danke ihnen.
© Ali Ol / Björn Henke Kung-Fu WebMag / German Chow Gar Association / VFCK
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