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Basistraining des Hung Gar



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Beginnt ein Schüler mit seiner Kampfkunstausbildung, wird er erst einmal mit der Grundschule des jeweiligen Stils konfrontiert. Grundschule - das bedeutet - die Grundlagen des Stils müssen erlernt werden.

Meist besteht dieses Training aus dem monatelangen Üben einzelner Techniken und Bewegungen wie z. B. den Grundstellungen, Basistechniken, Basistritttechniken, Basisabwehrtechniken und einfache Beinarbeit. Immer und immer wieder werden diese Techniken geübt, bis sie sozusagen in Fleisch und Blut übergehen. Dabei muss der Schüler ständig die Qualität der Ausführung seiner Techniken verbessern. Diese Trainingszeit ist meist sehr hart und oft resigniert der Schüler gerade in dieser Trainingsstufe. Schließlich wollte der Schüler ja kämpfen lernen und nicht über Monate z. B. in tiefen Stellungen stehen, sodass die Beine über Wochen schmerzen. Aber gerade so ein konsequentes Basistraining ist typisch für das Hung Gar Kuen, einem der ältesten südchinesischen Kampfkunststile des Kung-Fu. Hung Gar Kuen ist bekannt für seine tiefen und festen Stellungen und der gewaltigen Kraft, die aus einem rigorosen Basistraining hervorgeht. Somit spielt gerade die Grundschule im Hung Gar Kuen eine wichtige Rolle für den weiteren Fortschritt des Schülers. Erst wenn der Schüler dieses Basistraining gemeistert hat, kann er in eine fortgeschrittenere, höhere Ebene des Trainings kommen.

Das Basistraining im Hung Gar Kuen umfasst nicht nur das Verbessern der allgemeinen körperlichen Verfassung (Kraft, Ausdauer, Gelenkigkeit) und dem Erlernen der technischen Grundlagen (Grundstellungen, Haltung, Handtechniken, Beintechniken, Schrittarbeit usw.) sondern auch wichtige psychische Eigenschaften werden dabei verlangt und trainiert (Konzentration, Geduld, Beharrlichkeit, Ausdauer, Entschlossenheit und einen eisernen Willen). Alles Eigenschaften, die nicht nur einen guten Kämpfer auszeichnen, sondern auch im täglichen Leben sehr von Nutzen sein können. Wahres Kung-Fu Training ist mehr als nur Selbstverteidigung. Es ist eine Lebensschule, eine Form, sich körperlich und geistig fit zu halten, eine Kunst mit einer tiefgründigen Philosophie, die eine große Hilfe sein kann, die Spannungen und Stress des täglichen Lebens zu verringern. Natürlich ist das Hung Gar Kuen rein körperlich gesehen eine Kampfkunst, bei der man lernt, wirkungsvolle Schläge, Tritte und Stöße mit sämtlichen Gliedmaßen auszuteilen. Gleichzeitig aber auch solche Angriffe abzuwehren. Doch dieser kämpferische Aspekt des Hung Gar Kuen ist nur zur Selbstverteidigung gedacht und nie zum Angriff. Es ist die Verantwortung des Lehrers gegenüber der Gesellschaft nur Schüler zu unterrichten, die diese Grundeinstellung entsprechen. So folgt die Aufnahme in eine traditionelle Kung-Fu Schule strengen ethischen und moralischen Grundsätzen (Wu De/ Mou Duk). Natürlich kann die wahre Einstellung, mit der ein Schüler seine Kampfkunstausbildung beginnt, nicht immer gleich vom Lehrer richtig erkannt werden und auch der Schüler ist sich meist gar nicht bewusst, was "Kung-Fu" eigentlich bedeutet. Aus dieser Sicht ist das Basistraining eine Art Probezeit, die Einstellung des Schülers zu testen.

Kung-Fu ist keine Über-Nacht-Fähigkeit
Denn erfahrungsgemäß ist es so, dass der Schüler der die Kampfkunst nur zu offensiven Zwecken erlernen möchte und den ganzen Sinn dieser harten Grundschule nicht einsehen will, meist von selbst nach wenigen Wochen abspringt. So muss ein Schüler vor allem folgende wichtige charakterliche Grundeigenschaften im Basistraining zeigen, die zum Meistern des Hung Gar Kuen nötig ist - Selbstbeherrschung, Disziplin, Wille und Menschlichkeit. Ein ernsthaft interessierter Schüler muss sich bewusst werden, dass eine so tiefgründige Kampfkunst wie das Hung Gar Kuen nicht innerhalb weniger Monate oder Jahre gemeistert werden kann. Dass es vielleicht Jahre dauern kann, bevor der Schüler anfängt, den tieferen Sinn der einfachsten Übungen oder Techniken und ihre Bedeutung richtig zu verstehen. Eine gute Kampfkunst braucht Zeit und Training. Aber dies ist es ja auch, was "Kung Fu" bedeutet, keine Über-Nacht-Fähigkeit, sondern hartes und langes Üben. Aber auch die Freude an einem intensiven Studium von seit Jahrhunderten überlieferten Techniken und Prinzipien, die weit über das Erlernen einfacher Kampf- und Selbstverteidigungsmethoden hinausreichen.

Zum besseren Verständnis und als praktischer Einblick in den Lehrinhalt des Basistrainings möchte ich nun eine typische Grundübung des Hung Gar Kuen vorstellen:

Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: "Bevor ein Boxer einen Gegner besiegen kann, muss er lernen, selbst auf festen Füßen zu stehen." Dieses alte Sprichwort deutet auf einen der wichtigsten Lernziele des Basistrainings hin - dem "Ma" oder Stand. Der Stand ist sehr wichtig und stellt eine Säule des Hung Gar Kuen dar. Denn ein stabiler und fester Stand ist das Fundament auf dem alle späteren Kung-Fu Techniken aufgebaut sind, vergleichbar mit dem Fundament eines Gebäudes. Ein Gebäude kann nicht mehrere Stockwerke hoch gebaut werden oder eine lange Zeit eine sichere Stabilität gewähren, wenn das Fundament schlecht ist. Ebenso kann ein Kung-Fu Schüler seine Technik nicht voll entwickeln, wenn seine Stände schwach und unsicher sind. Ungeachtet wie präzise und schnell der Schüler seine Techniken ausführen kann. Wenn sein Stand nicht sicher und stabil ist, werden seine Hand- und Körperaktionen nicht die optimale Kraft entfalten können und es geht viel an Effektivität verloren. Denn die Verteidigungs- und Kontertechniken sind umso wirkungsvoller je besser die Standsicherheit ist. Eine der besten Möglichkeiten einen festen und sicheren Stand zu trainieren ist die "harte" Chi-Kung Übung mit dem Namen die "Goldene Brücke" aus dem Hung Gar, die als Einführungsübung sehr gut geeignet ist und die ich vorstellen möchte.

Der Reiterstand - Sei Ping Dai Ma
Basis dieser Übung ist der Reiterstand - der Sei Ping Dai Ma genannt wird. Bei Sei Ping Ma handelt es sich um einen Stand, der stark an einen auf dem Pferd sitzenden Reiter ähnelt. Es ist die wichtigste Stellung im Basistraining des Hung Gar Kuen. Bevor der Schüler in die Reiterstellung geht, legt er die Fäuste an seine Hüftseiten. Das Wichtigste in der Reiterstellung ist der Abstand der Füße. Er darf nicht zu breit sein, aber auch nicht zu eng. Um den richtigen Abstand zu erhalten (der bei jedem Schüler anders sein kann), werden die Füße 4-mal nach außen geschoben und so richtig ausgemessen. Nun beugt der Schüler die Knie so tief wie möglich und geht in die Hocke (senken des Körperschwerpunktes) wobei die Füße fest auf dem Boden stehen bleiben und die Zehenspitzen parallel nach vorne zeigen. Das Körpergewicht ist gleichmäßig auf beide Füße verteilt. Die Knie werden leicht nach außen gedrückt, sodass sie in einer Linie über den Füßen liegen und das gesamte Körpergewicht direkt von oben nach unten in den Boden gedrückt wird. Das Becken ist ein weiterer wichtiger Punkt der Reiterstellung. Es wird leicht nach vorne geschoben, wodurch das Kreuzbein gerade bleibt und so das Fundament für eine gerade Wirbelsäule bildet. Der Oberkörper bleibt aufrecht und bekommt dadurch Stabilität und Kraft. Nachdem der Reiterstand eingenommen wurde, werden die Hände in Brusthöhe nach vorne gestreckt und anschließend zur Einfingerhand (Yi Ji Kiu Sau) gekrümmt. In diesem Stand muss der Schüler einige Minuten jeden Tag bewegungslos stehen, ohne ein Wort zu sprechen. Alle Gedanken sollten verbannt werden, die Aufmerksamkeit sollte einzig und allein auf die Haltung und Atmung gerichtet sein.



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Die Atmung im Dan Tien
Die Atmung muss im Laufe der Zeit mithilfe der Vorstellung von dem Brustraum in den Bauchbeckenbereich verlagert werden, genauer gesagt, der Atem (Chi/Hei) muss in das Dan Tien sinken. Dieser Akupunkturpunkt, der ca. zwei Fingerbreiten unterhalb des Bauchnabels liegt und den Ort bezeichnet, von dem die Chinesen glauben, das dort das Chi - die innere Kraft - gespeichert ist, gilt als unsere Mitte des Körpers und als Energiezentrum. Es ist diese Mitte, zu der wir finden müssen und aus der heraus wir aktiv werden sollten. Dieses Sinken der Energie führt im Laufe der Zeit zu einer tiefen Entspannung, ohne schlaff zu werden und dies führt zu einer gewaltigen Schwere, die langsam nach unten sinkt, als ob die Stellung mit dem Boden verwurzelt wäre.

Nach dem Verwurzeln und Sinken lassen lernt der Schüler sein Chi zu lenken und es aus dem Dan Tien in die Unterarme zu leiten, wobei die Arme unter großer Muskelanspannung langsam und gleichmäßig vor- und zurückbewegt werden. Als Resultat, bei einem ausdauernden Üben, wird der Oberkörper leicht und flink, der Geist wird wachsam und stark, während die Beine kraftvoll und fest verwurzelt am Boden "kleben". Die Übung der "Goldenen Brücke" kräftigt gleichzeitig die gesamte Muskulatur des Körpers, wie ebenfalls die inneren Organe. Es ist eine wirksame Methode, die innere Kraft zu entwickeln und ein wichtiges Instrument,
Ging zu erzeugen - die gewaltige Kraft, die aus der Vereinigung der äußeren und inneren Kraft und aus einem langjährigen Üben entsteht und für die das Hung Gar Kung-Fu bekannt ist.

© Andreas Garski
German Hung Gar Association / VFCK



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