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Die größe Shaolins



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Welche Kriterien sollten wir benutzen, um die Größe und den Wert einer Kampfkunst zu messen? Viele würden die praktikable Anwendung als das Wesentliche ansehen. Aber die Erfahrung und Geschichte lehrt uns, dass es in den Kampfkünsten um mehr geht als nur um die bloße körperliche Auseinandersetzung. Am Beispiel des Shaolin Kung-Fu wollen wir versuchen, dies zu untersuchen.

Die Shaolinschule ist eine in sich geschlossene und tief in der der chinesischen Kultur verwurzelte Kampfkunst. Sie hat eine große Anzahl von berühmten Generälen wie Yuan Zhong, Yue Fei und Chi Ji Guang hervorgebracht. Diese Männer waren nicht nur Shaolinmeister, sondern auch führende Persönlichkeiten ihrer Zeit und hatten sehr großen Einfluss auf die Politik der damaligen Zeit. Seit der Liang Dynastie, nur unterbrochen durch die Herrschaft der Mongolen und Mandschuren, wurde die Elite der chinesischen Herrscher, Generäle und Politiker in der Tradition des Shaolin erzogen und ausgebildet, bis einschließlich der Regierung der Kumintag und den frühen Kommunisten. So ist auch zu verstehen, dass der Einfluss des Shaolin in Bezug auf das politische und kulturelle Leben im Reich der Mitte immer vorhanden war. Nicht ohne Grund wurde das Shaolinkloster mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Viele Herrscherhäuser und Dynastien wurden vom Shaolinkloster unterstützt, einige aber auch bekämpft. Aber warum hatte das Shaolinkloster so einen großen Einfluss? Heutzutage wird immer deutlicher, dass in Shaolin nicht nur eine Wiege der Kampfkünste war, sondern und ganz besonders ein Ort der Religion, Philosophie und der Wissenschaften. Man kann sogar fast so weit gehen, dass man von einer altertümlichen Universität spricht. Parallelen zu den mittelalterlichen Klosterschulen in Europa zu ziehen, ist nicht abwegig. Auch diese haben sich nicht nur dem Studium der Religion verschrieben, hier wurden auch Geisteswissenschaften studiert. Die Mönche waren Experten in Mathematik, Physik, Chemie, Philosophie, Medizin und Astrologie. Auch hier wurde eine allumfassende geistige und moralische Kultivierung angestrebt. Nur die körperliche Vervollkommnung wurde im Gegensatz zum Shaolinkloster vernachlässigt.

Shaolinschüler wurden erzogen höflich, rücksichtsvoll, tapfer, rechtschaffen, pflichtbewusst und loyal zu sein. Shaolinmeister wurden nicht nur wegen ihrer Fertigkeiten im Kampf geachtet, sondern auch für ihre medizinischen Kenntnisse.

Die Ausbildung im Shaolin strebte eine vollkommene Sanftheit und - bedingt durch die Religion - die Liebe zu jedem Lebewesen an. Ein hohes Ausbildungsniveau, gepaart mit einem großen Wissen und den Kampfkunstfertigkeiten machten die Shaolin einmalig. Nur so ist es zu erklären, dass dieses relativ kleine Kloster im Reich der Mitte und in dessen Geschichte eine übergeordnete Rolle spielte, große Persönlichkeiten hervorbrachte und einen erheblichen Einfluss auf das öffentliche Leben hatte. Der Einfluss der Shaolin auf die heutigen Kampfkünste ist unbestreitbar. Aber das Größte, was die Shaolinlehre uns bietet, hat leider bis heute nie richtig Erwähnung gefunden: die beiden wichtigsten Pfeiler der Shaolinphilosophie sind Mitgefühl und Weisheit. Dies machte und macht die Shaolintradition so wertvoll und groß.

© Ali Ol / Björn Henke
Kung-Fu WebMag /
German Chow Gar Association / VFCK



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